Und danach?
Waldkindergarten und Schulvorbereitung
Der Waldkindergarten arbeitet spielzeugfrei und mit
zurückhaltender, situativer Animation. Ein festes Programmschema und
Vorschularbeiten, die auf Lerninhalte der Grundschule vorgreifen, sind
explizit nicht gewünscht. Auf den ersten Blick mag das bei manchen
Eltern Skepsis hervorrufen. Nicht zuletzt durch die Pisa-Studie wurde
ja der Ruf nach frühzeitiger Bildung und verstärkter
Konzentrationsschulung unserer Kinder laut.
Nach unserer Kenntnis gibt es keine objektiven Kriterien
für die Schulfähigkeit. Die Erwartungen der Schulen an die Kinder sind
unterschiedlich, außerdem ist die Arbeit der Regelkindergärten
keinesfalls standardisiert. Auch sind nicht alle Kinder gleich alt.
Somit sind die Grundschulen gezwungen, sich auf unterschiedliche
Entwicklungsniveaus einzustellen.
Es gibt unserer Meinung nach jedoch gewisse
Basiskompetenzen, die den Kindern die Übergangssituation und die
Teilnahme am schulischen Lernen erleichtern. Hierzu zählen
differenzierte Wahrnehmungsfähigkeit, psychomotorische Kompetenz,
Neugier, Lernbereitschaft, Aufgabenverständnis, Orientierung an Regeln,
Fähigkeit zur Kommunikation und angemessener Umgang mit Konflikten.
Wir wollen im folgenden beispielhaft erläutern, wie
die Wald- und Naturpädagogik in diesen Bereichen eine wertvolle Arbeit
am Kind leistet.
Soziale Kompetenz: Das Miteinander und
Füreinander ist ein herausragendes, täglich praktiziertes Lernfeld im
Kiga. Da das vorgegebene Spielzeug fehlt, werden die Kinder
vergleichsweise stärker angeregt, miteinander zu spielen und
untereinander Beziehungen zu knüpfen. Sie können sich und andere besser
in die Gruppe integrieren und erlernen die Fähigkeit, Konflikte zu
bewältigen. Das Verhandeln, das Vermitteln und das Bestehen in der
Gruppe schulen das Selbstbewusstsein der Kinder. Sie sollen sich
trauen, sich zu äußern und Fragen zu stellen - so wie später in der
Schule verlangt.
Konzentration / Stillsitzen: Offenheit,
Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und vertieftes Arbeiten in ruhiger Umgebung
werden täglich spielerisch umgesetzt. Aufbauend auf konzentrierte,
eigene praktische Arbeit können die Kinder komplexere Dinge selber
erarbeiten und verstehen, z.B. Sägen von Ästen -> Scheiben können
Schmuck sein -> Loch für Anhänger sägen, Scheiben können Räder sein
und ein Autorumpf -> Bau eines Autos in mehreren Arbeitsschritten.
Bei der Vermittlung von Wissen gilt, dass kleine Kinder zuerst sehen,
berühren und erleben müssen, bevor sie gößere Zusammenhänge verstehen
und Erklärungen zuhören können.
Beim Vorlesen erlernen die Kinder das Zuhören ohne
körperliche Aktivität. Das gemeinsame längere Erlauschen der
Tiergeräusche im Wald ist eine besonders anspruchsvolle Stilleübung.
Sprache: Lieder, Reime, rhythmische Begleitung
zum Erzählen animierende Bilderbücher gehören zum Alltag des
Waldkindergartens. Im Morgenkreis sowie bei anderen Zusammenkünften
(z.B. Brotzeit) wird geübt, vor der Gruppe frei zu sprechen.
Farben: Das Farbspektrum der Natur bietet durch
das ganze Jahr viel Gelegenheit zum Üben.
Zählen: Jeden Morgen zählen die Kinder im Wechsel
die Anwesenden. Im Spiel werden Steine, Fichtenzapfen etc. gezählt.
Bewegung / Gleichgewichtsschulung: Wir folgen der
Devise: Bewegung macht schlau! Es gibt Untersuchungen, die einen
positiven Zusammenhang körperlicher Schulung und geistiger Entwicklung
sowie Konzentrationsfähigkeit ermittelt haben. Wir messen dem Training
der Grob- und Feinmotorik, dem Balancieren und anderen Bewegungsarten
viel Bedeutung bei. Über Baumstämme zu balancieren, über Wurzeln
trittsicher zu gehen, das Hüpfen oder auf einem Bein Stehen gehören zu
unseren "Vorschulübungen”.
Linktipp
Lesen Sie zum Thema auch die Dissertation > “Natur- und Waldkindergärten in Deutschland - eine
Alternative zum Regelkindergarten in der vorschulischen Erziehung”
von Peter Häfner.
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